Human Resonance
Am anderen Ende ist immer ein Mensch.
Über den Moment, in dem ein Satz hängen bleibt. Über eine Frage, die mich seit dem Studium begleitet. Und darüber, was ich meine, wenn ich von Human Resonance spreche.
Kennst du das? Du liest einen Satz, irgendwo, in einer Mail, in einem Post, auf einer Seite, die du eigentlich nur überfliegen wolltest, und etwas in dir sagt: Ja. Genau so. Du kannst vielleicht nicht einmal erklären, warum. Aber der Satz, oder zumindest etwas daraus, bleibt hängen. Während hundert andere an dir vorbeiziehen, ohne eine Spur zu hinterlassen.
Bei mir sind es Bücher. Ich lese viel, gern und meistens mehrere gleichzeitig. Und immer wieder gibt es darin diesen einen Satz, der nicht mit dem Umblättern verschwindet, sondern bleibt. Tagelang. Wie ein paar Worte auf Papier so etwas mit einem Menschen machen können, diese Frage war es, warum ich damals angefangen habe, mich mit Sprache zu beschäftigen. Erst mit Büchern in der Hand, später im Studium, in Redaktionen, in Agenturen, im Marketing. Und sie ist bis heute nicht kleiner geworden. Eher im Gegenteil. Denn alles, was wir schreiben, sagen und gestalten, hat am Ende nur ein Ziel: bei einem Menschen anzukommen. Und dieser Moment erzählt so viel darüber, was in uns Menschen passiert, wenn genau das gelingt.
Vom Business zurück zum Menschen
B2B, B2C. Zielgruppen, Segmente, Personas. In diesen Bereichen habe ich viele Jahre gearbeitet. Und so lange ich mich erinnern kann, kam es mir nicht ganz richtig vor. Nicht falsch, es hilft ja beim Planen. Aber irgendetwas fehlte in diesen Kürzeln, und ich konnte lange nicht sagen, was.
Dann bin ich in einem Vortrag über einen anderen Ansatz gestolpert: H2H, Human to Human. Die einfache Erinnerung daran, dass auf beiden Seiten einer Botschaft Menschen sitzen. Auch dann, wenn die eine gerade ein Angebot vergleicht und der andere eine Kampagne freigibt. Ich habe alles aufgesaugt, was ich dazu finden konnte, und irgendwann selbst einen Vortrag darüber gehalten. Und trotzdem: Es war mir immer noch zu kurz gedacht.
Denn zu wissen, dass am anderen Ende ein Mensch ist, ist das eine. Mich interessiert, was mit diesem Menschen passiert, wenn eine Botschaft ihn erreicht. Was er mitbringt. Was in ihm andockt. Und was einfach abprallt.
Der Moment, in dem etwas ankommt
Ich habe eine Zeit lang Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern, mit ganz unterschiedlichen Gründen, diese Sprache zu lernen. Und in jedem Kurs gab es diesen einen Moment, den ich bis heute nicht vergessen habe: wenn jemand etwas verstanden hat. Nicht auswendig gelernt. Verstanden. Man konnte es sehen, noch bevor jemand etwas gesagt hat. Die Augen wurden anders. Als hätte sich für einen Augenblick eine Tür geöffnet, zwischen einer fremden Sprache und einem Menschen. Ich stand daneben und hatte Gänsehaut.
„Dieses Leuchten in den Augen. Ich wusste sofort: Dafür will ich da sein."
Das war kein Marketing. Da gab es keine Zielgruppe und keine Kampagne. Nur eine Botschaft, die einen Menschen erreicht hat. Und trotzdem ist das, glaube ich, im Kern genau das, was wir uns von jeder Form von Kommunikation wünschen. Dass etwas ankommt. Dass es Bedeutung bekommt. Dass es etwas auslöst.
Denn Information allein bewegt uns nicht. Wir nehmen sie nicht einfach auf und legen sie ab. Wir verbinden sie mit dem, was schon da ist. Deshalb können zwei Menschen denselben Satz lesen und etwas völlig Unterschiedliches darin finden. Irgendwo dazwischen entsteht Bedeutung. Und Bedeutung ist es, die uns bewegt.
Was das mit Marken zu tun hat
Vielleicht fragst du dich, was so ein Gedanke in einem Blog über Marken, Sprache und Sichtbarkeit zu suchen hat. Für mich ist er der Anfang von allem.
Denn eine Marke ist am Ende auch nur eine Botschaft, die auf Menschen trifft. Mit dem Unterschied, dass sie es sehr oft tut. In jedem Text, in jedem Gespräch, in jeder Antwort auf eine E-Mail. Und wenn ich Kommunikation von diesem Moment her denke, verschiebt sich etwas. Es geht nicht mehr zuerst darum, lauter zu werden, häufiger zu posten oder den nächsten Hook noch schärfer zu formulieren. Es geht darum, zu verstehen, bevor man formuliert. Und darum, dass innen etwas da ist, bevor etwas nach außen geht.
Deshalb beginnt Kommunikation für mich viel früher als bei der Frage, was wir heute posten. Sie beginnt bei der Frage, wofür du eigentlich stehst. Was dich, deine Marke oder euer Unternehmen wirklich ausmacht. Und ob das so klar ist, dass es nicht nur in deinem Kopf existiert.
Wer das für sich beantwortet hat, kommuniziert anders. Nicht unbedingt lauter. Aber so, dass es bei den richtigen Menschen etwas auslösen kann.
Was ich mit Human Resonance meine
Der Name dafür kam ganz intuitiv zu mir. Ich habe nicht danach gesucht, er war irgendwann einfach da, und er hat sofort gepasst. Weil Resonanz genau das beschreibt, was ich seit diesem Satz im Buch, seit dem Leuchten im Sprachkurs und seit all den Jahren in der Kommunikation immer wieder beobachtet habe.
Vielleicht kennst du das von einem Konzert oder von Musik, die du zu Hause zu laut aufdrehst: Ein Ton wird angeschlagen, und plötzlich schwingt etwas mit, das gar nicht angeschlagen wurde. Eine Saite nebenan. Der Boden unter den Füßen. Irgendetwas in deinem Brustkorb. Nicht, weil jemand daran gezogen hätte, sondern weil es zusammenpasst. Genau so stelle ich mir vor, was zwischen einer Botschaft und einem Menschen passieren kann. Die Worte sind zunächst nur Worte. Dann treffen sie auf einen Menschen mit seiner Geschichte, seinen Erfahrungen, seinen Erwartungen, seinen Zweifeln und seiner Sehnsucht. Und entweder schwingt da etwas mit. Oder eben nicht.
Human Resonance ist für mich die Resonanz, die zwischen dem, was wir ausdrücken, und dem Menschen auf der anderen Seite entstehen kann.
Sie entsteht nicht zufällig und nicht nur aus dem Bauch heraus. Sie wird beeinflusst von Sprache und Kontext, von Wahrnehmung und Erfahrung, von Erwartungen und Bedürfnissen. Und von den menschlichen Mustern, die unter all dem liegen. Diese Muster faszinieren mich. Wie wir wahrnehmen und einordnen. Warum wir uns manche Dinge merken und andere nicht. Wie Vertrauen entsteht, und wie schnell es innerhalb weniger Worte wieder verschwinden kann. Ich lese dazu viel: in der Sprachwissenschaft, in der Kognitions- und Sozialpsychologie, in Behavioral Economics, in der Kommunikationswissenschaft. Nicht, weil ich Psychologin wäre. Sondern weil ich verstehen möchte, was ich in mehr als zwanzig Jahren Kommunikation immer wieder gesehen habe.
Ein Satz, der bleibt
Wenn ich das alles auf einen Satz bringen müsste, wäre es dieser: Am anderen Ende ist immer ein Mensch.
Ich meine ihn nicht als Floskel. Ich meine ihn als Prüffrage. Für jede Mail, jede Website, jeden Post, jedes Gespräch. Wer sitzt da? Was bringt dieser Mensch mit? Was passiert in ihm, wenn er liest, was ich schreibe? Und will ich, dass er es nur zur Kenntnis nimmt, oder dass es ihn berührt, begeistert und vielleicht sogar bewegt?
Ich weiß nicht, ob ich diese Fragen jemals abschließend beantworten werde. Ehrlich gesagt hoffe ich es auch nicht. Aber ich möchte ihnen hier nachgehen, mit dir. Manchmal wird es dabei um dich selbst gehen, weil Resonanz nach innen beginnt. Manchmal um deine Marke, um Worte, um Sichtbarkeit. Und immer wieder um die Frage, was mit uns Menschen passiert, während sich um uns herum gerade so viel verändert.
Vielleicht ist das alles sogar eine Form von Magie. Eine, die man nicht nur bestaunen kann, sondern sogar verstehen. Wenigstens ein bisschen. Und wenn du bis hierhin gelesen hast, dann ist gerade vielleicht genau das passiert: Ein Satz hat dich gefunden. Schön, dass du hier bist.
Lisa Sofie Zelgin
Mehr als zwanzig Jahre Sprache, Redaktion, PR, Marketing und Marke. Und die eine Frage, die dabei geblieben ist: Was passiert eigentlich zwischen Botschaft und Mensch? Mehr über mich
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Human Resonance ist die Perspektive, aus der ich auf alle vier Themenwelten schaue. Sie füllen sich nach und nach.